Göppingen. Ein verstärkter Ausbau von erneuerbaren Energien ist auch in Baden-Württemberg möglich und sollte mit Nachdruck vorangetrieben werden. Darin sind sich Professor Stefan Krauter und CDU-Landtagskandidatin Sarah Schweizer einig. Der in Göppingen geborene Professor für nachhaltige Energiesysteme setzt dabei auf den Einsatz der Photovoltaik, wie auch Schweizer, die sich als Rechtsanwältin mit Fachgebiet Energie- und Umweltrecht tagtäglich mit den Herausforderungen von Energiewende und Klimaschutz beschäftigt.
Krauter, der an der Universität Paderborn einen Lehrstuhl für elektrische Energietechnik und nachhaltige Energiekonzepte bekleidet, hat sich schon früh mit dem Thema Solarenergie auseinandergesetzt, wie er Sarah Schweizer in ihrem Instagram-Talk verriet. So gehörte der Bruder des Göppinger Unternehmers Johannes Krauter zu den ersten in Deutschland, die eine Solarfabrik als Aktiengesellschaft gründeten. Dies deshalb, weil die großen Energieversorger seinerzeit für das Thema Photovoltaik kein Interesse zeigten und es sogar Ingenieure gegeben habe, die die Meinung vertraten, mehr als zwei bis drei Prozent Strom aus erneuerbaren Energie würde das deutsche Stromnetz nicht verkraften. Das gewonnene Knowhow konnte Krauter später dann bei weiteren Projekten einsetzen. Zum Beispiel auch in Rio, wo er nicht nur eine Gastprofessur an der Universität inne hatte, sondern auch eine Gesellschaft zur Planung, Installation und den Betrieb von Photovoltaikanlagen aufbaute. 2006 hob Krauter das Photovoltaik-Institut Berlin mit aus der Taufe. Mit mehreren internationalen Preisen geehrt, zählt der 57-Jährige heute zu den anerkanntesten Experten auf seinem Gebiet.

"Das Sonnenlicht reicht aus, um den gesamten Energiebedarf der Erde 1400-fach zu decken", machte Krauter das Potenzial deutlich, das mit der Solartechnik möglich ist. Der Einsatz von Photovoltaik könne auch ohne Förderung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für den privaten Nutzer attraktiv sein, so Krauter. Vor allem dann, wenn dieser selbst den erzeugten Strom verbrauche, was gerade auch für mittelständische Betriebe interessant sei. Das sei auf jeden Fall günstiger als Strom vom großen Energieanbieter, der neben dem Preis für die Stromherstellungen noch zig Kostenpositionen obendrauf packe. Die Idee von Sarah Schweizer, ganze Quartiere autark über Photovoltaik mit Energie zu versorgen, hält Krauter für einen durchaus überlegenswerten Vorschlag. Schweizer macht sich darüber hinaus dafür stark, dass sog. „Agri-Photovoltaik Projekte“ stärker vorangetrieben werden. Das ist die Verbindung von Photovoltaik-Anlagen mit einer Landwirtschaftlichen Nutzung. Entsprechende Projekte gibt es beispielsweise in Pfullendorf oder Donaueschingen. „Wir sind eines der sonnenreichsten Bundesländern in Deutschland, bauen jährlich aber nur halb so viel Photovoltaik hinzu als die Bayern. Da ist noch ziemlich viel Luft nach oben“, ist sich Schweizer sicher.

Die Energieexpertin gibt jedoch auch zu bedenken, dass die Frage der Back-up-Kapazitäten derzeit noch weitgehend ungelöst sei. „Das Ziel von 100% Erneuerbaren in Energien im Jahr 2050 erreichen wir nur, wenn die Speicherfrage gelöst ist. So wie es derzeit läuft, dass parallel zu den Erneuerbaren Energien weiterhin 100% fossile Kraftwerke den Strombedarf für den Fall der Dunkelflaute absichern müssen, macht weder für den Klimaschutz Sinn, noch sind die Kosten dafür auf Dauer stemmbar.“ Schweizer fordert daher mehr Realismus und tragfähige Lösungen in der Kima-Debatte.

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Dominik Martin

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